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Tagesfahrt Worpswede 2026

Tagesfahrt Worpswede 2026

Am 18. Juni reiste der Kneipp-Verein-Fallersleben mit dem Busunternehmen Brio-Tours nach Worpswede (Bremen). Unser Ausflug begann mit einem schmackhaften gutbürgerlichen Mahl in der Hammehütte „Neu Helgoland“. Diesen Namen erhielt das Restaurant, weil Hochwasser häufig die Wiesen überflutete und nur die „Hammehütte“ dann eine Insel bildete, eben ein zweites Helgoland. Vor mehr als einhundert Jahren errichteten die Moorbauern eine Schutzhütte an der Hamme. Dort schlugen sie ihre Waren um; später entwickelte sich neben dem bescheidenen Krämerladen auch eine kleine Wirtschaft.

   

Auf der sehr schönen eineinhalbstündigen Torfkahnfahrt erfuhren wir vom Torfskipper interessante Geschichten und Begebenheiten aus alten Zeiten.

Die anschließende Führung gewährte uns Einblicke in Kunst, Geschichte, Architektur, Literatur und Natur. Wir besichtigten den alten Dorfkern mit acht stattlichen Bauernhöfen, vermutlich aus dem elften Jahrhundert. In einem befindet sich seit 1988 das Worpsweder Rathaus. Davor steht die Nachbildung des hölzernen Glockenturms an der ursprünglichen Stelle. Die Zionskirche wurde 1757 auf dem Weyersberg erbaut. Sie ist schlicht, bis auf den prunkvoll, mit Rokoko-Elementen verzierten Kanzelaltar. Bis heute kann man die Putten von Klara Westhoff und die gemalten Blumen von Paula Becker in der Kirche bestaunen. Dies war eine Strafarbeit, da die beiden Freundinnen die Glocken geläutet, und somit ohne Not einen Feueralarm ausgelöst haben. Auf einer Seite der Kirche sieht man das bekannte Gemälde „Gottesdienst im Moor“ von Fritz Mackensens. Auf dem dahinterliegenden Friedhof befindet sich das Grab von Paula Modersohn-Becker.

     

Die Anfänge Worpswedes gehen über achthundert Jahre zurück. Das erste Gehöft wird im Jahre 1218 erwähnt. Die natürliche, 54 Meter hohe Erhebung des Weyerberges war damals ausschlaggebend für die Wahl des Standortes inmitten des unwirtschaftlichen Teufelsmoores. Mitte des 18. Jahrhunderts wurde die Trockenlegung des Moores durch Entwässerungsgräben eingeleitet. Das Anlegen von Gräben, das spätere Torfstechen und die Verschiffung waren extrem harte Arbeiten. Das Land war unfruchtbar und es gab Probleme mit den Gezeiten; Landwirtschaft war beinahe unmöglich. Viele scheiterten, verarmten und verließen Worpswede wieder. Der Name Teufelsmoor leitet sich vom Niederdeutschen Wort „duven“ ab und bedeutet unfruchtbar, bzw. taub. Bis zur Inbetriebnahme des Moorexpress im Jahr 1911 war der Torfkahn Hauptverkehrsmittel. Mit der Erfindung des Kunstdüngers wurde der Boden fruchtbar. Der Bau einer Schleuse sorgte für einen gleichbleibenden Wasserstand. Bis in die 1970er Jahre wurde im Teufelsmoor noch Torf gestochen. Derzeit sind zwei Drittel des Torfes abgebaut, ein Drittel ist geblieben. Durch die Trockenlegung wurden Flora und Fauna massiv geschädigt. Nur durch intensive Bemühungen einiger Naturschutzinstitutionen konnte dieses Gebiet erhalten werden. Das Feuchtgebiet ist von herausragender Bedeutung für gefährdete Tier- und Pflanzenarten.

     

Zeitgleich führten mehrere Entwicklungen zu einer neuen Ära in der Künstlerwelt. Die Erfindung von Farbtuben löste Pigmentpulver ab und ermöglichte auch das Malen in der Natur. In Künstlerkreisen führte die Industrialisierung dazu, dass eine Flucht in ländliche Gebiete einsetzte. Die Künstler schätzten die unberührte Landschaft. Eine Zufallsbekanntschaft mit einer Worpswederin führte 1884 den Kunststudenten Fritz Mackensen in dieses Örtchen. Er kam wiederholt und 1889 blieb er dort mit seinen Künstlerfreunden Otto Modersohn und Hans am Ende. Anfang der 1890er Jahre gesellte sich Heinrich Vogeler und Fritz Overbeck hinzu. Diese fünf werden heute als Gründer der Künstlerkolonie gesehen. Ein großer Erfolg war das Gemälde Fritz Mackensens im Jahr 1895 „Gottesdienst im Moor“. Viele Künstler kamen nach Worpswede, unter ihnen auch Paula Becker, die Otto Modersohn heiratete. Sie starb im Alter von 31 Jahren und hinterließ eintausend Bilder. Erst zwanzig Jahre nach ihrem Tod wird sie als Wegbegleiterin der modernen Kunst erkannt. Heute gilt sie als berühmteste Worpswederin. Derzeit leben dort 140 aktive Künstler, Maler, Bildhauer, Kunsthandwerker und Fotografen.